IGPB-Tagung 2022: Demokratie im Wandel. Welche Werte braucht die Politische Bildung?

Eine Veranstaltung der Interessengemeinschaft Politische Bildung (IGPB)

Werte wie Freiheit, Gleichheit und Solidarität bilden das ethische Fundament demokratischer Ordnungen. Schwindet die Zustimmung zu diesen zentralen Leitlinien, wird auch die Basis der Demokratie brüchig. Rechtspopulismus, Entsolidarisierung, sinkendes Institutionenvertrauen oder die Radikalisierung im Zuge der Corona-Proteste sind Beispiele für dieses Erodieren.

Wissenschaftliche Befunde verweisen auf den Wandel gesellschaftlicher Wertvorstellungen und auf die Interpretationsoffenheit demokratischer Werte. Einerseits gelten gemeinsame Werte als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben, andererseits dienen Werte in gesellschaftlichen Diskursen auch als Argument, um bestimmte Gruppen auszugrenzen.

In der Politischen Bildung besteht ein grundsätzlicher Konsens über die Ausrichtung an demokratischen Werten. In einer sich wandelnden Gesellschaft ergeben sich jedoch Kontroversen über deren Stellenwert und die Frage, wie diese Werte in der Praxis vermittelt werden könnten.

Networking Inter Cultures – NIC 2022:
Differenz und Bildung

Zukunft von Interkulturalität, Transkulturalität und Diversität

Eine Veranstaltung von NIC – Networking Inter Cultures

Differenzen haben im Kontext der Migration stets eine wesentliche Rolle gespielt, wie die Genealogie des Begriffs „Interkulturalität“ verdeutlicht. So hat das Konzept der Interkulturalität eine beeindruckende Karriere gemacht und insgesamt zum Verständnis von Migration und kultureller Vielfalt beigetragen.

Zunächst war die Einführung der interkulturellen Bildung mit dem Ziel verbunden, einer defizitorientierten Sichtweise auf Kinder und Jugendliche, deren Eltern im Zuge von Anwerbeabkommen nach Deutschland und Österreich eingewandert waren, nachhaltig entgegenzuwirken. So wurde die Idee geboren, den Dialog zwischen den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und eine Art pädagogische Kulturvermittlung im deutschsprachigen Raum zu etablieren. In geeigneten Bildungssettings sollen sich demnach nicht nur Migrantinnen und Migranten, sondern alle Mitglieder der Gesellschaft vorstellen und im Sinne der Vielfalt miteinander kommunizieren. Interkulturelle Bildung, so der Grundgedanke, richtet sich an alle und ist ein offenes und dynamisches Konzept, ähnlich wie die diversitätsbewusste Bildung, welche in den letzten Jahren als pädagogisches Konzept an Bedeutung gewinnt. Die institutionelle Praxis zeigt jedoch, dass die interkulturelle Bildung ihren Zielen nur punktuell gerecht wird oder werden kann, weil ihre erkenntnistheoretische Grundlage – explizit oder implizit – immer noch die Differenz zwischen „Einheimischen“ und „Nichteinheimischen“ zu sein scheint. Um eine dichotome Denkweise zu vermeiden, werden zunehmend Schlüsselbegriffe wie diversitätsbewusste Bildung und transkulturelle Perspektiven verwendet. In diesem Zusammenhang wird im akademischen Fachdiskurs bereits seit einigen Jahren die Forderung nach einem Abschied von der interkulturellen Pädagogik erhoben und zugleich deren Rettung diskutiert. Ebenso ist zu beobachten, dass die transkulturelle Bildung vermehrt aufgegriffen wird, um bildungsrelevante und gesellschaftliche Differenzen neu denken zu können. Angesichts dieser Entwicklungen stellt die 8. NIC-Konferenz die Frage nach der (gemeinsamen) Zukunft der Konzepte Interkulturalität, Transkulturalität und Diversität zur Diskussion. 


Die 8. NIC-Konferenz beschäftigt sich mit den nachstehenden Fragen:

  • Wo befindet sich die interkulturelle Bildung heute?
  • Sind Diversität und Transkulturalität neue experimentelle Utopien oder eine erfolgreiche Praxis?
  • Was macht die interkulturelle Bildung bis heute zu einer Institution?
  • Wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der interkulturellen, diversitätsbewussten und transkulturellen Bildung?
  • Wie sieht die Zukunft der Konzepte Interkulturalität, Transkulturalität und Diversität aus?

Tagung Gemeinwesenarbeit 2022

Raum (zurück)gewinnen für eine emanzipatorische und solidarische Gesellschaft

Eine Veranstaltung der Werkstätte Gemeinwesenarbeit (GWA) 

Die Jahre der Pandemie und der sie begleitenden Einschränkungen veränderten gewohnte Muster und Praktiken der Raumnutzung nachhaltig. Aufenthaltsbegrenzungen und Abstandsregeln hatten Einfluss auf die Nutzung öffentlicher Räume und in den Wohnungen mussten viele Aufgaben bewältigt werden, für die in vielen Fällen eigentlich kein Platz war. Außerdem wirkt die zunehmende Verschränkung von virtuellem und realem Raum ambivalent: Sie eröffnet neue Möglichkeiten, birgt aber auch Risiken, insbesondere durch die Normalisierung von Kontrolle und Restriktionen.

Das Verhältnis zwischen öffentlichen, privaten und digitalen Räumen hat sich nachhaltig verändert. Der Staat wandelte dabei sein Bild zwischen einem aktiven, unterstützenden und autoritären Gesicht. Die Zivilgesellschaft verlor Räume, Möglichkeiten sich zu organisieren oder musste sich umorientieren und Aktivitäten in digitale Räume verlagern. Dahingegen entstanden auch neue soziale Bewegungen. Die Bewegung der Coronaskeptiker*innen entdeckte die Straße als Protestraum, war aber durchsetzt von rechtsextremen und patriarchalen – also antiemanzipatorischen Ideen. Antirassistische, feministische sowie queere Bewegungen versuchten die Straße ebenso wieder zurück zu erobern, genauso wie die Klimabewegung.

Welche Räume aber benötigen wir für eine solidarische emanzipatorische Gesellschaft, in denen Diskurse und Aushandlungen stattfinden? Welche Räume brauchen Erwachsenenbildung, Gemeinwesenarbeit, Kulturarbeit und soziale Bewegungen? Was lernen wir dabei aus der Pandemie? Welche Bedeutung haben physische Räume für emanzipatorische Kollektivierungs- und Bildungsprozesse? Welche neuen Räume können entwickelt oder zurückgewonnen werden?

Bei der diesjährigen Tagung stehen diese Fragen im Mittelpunkt, insbesondere mit Blick auf die Raumbedarfe von marginalisierten Gruppen, die über wenig Privatsphäre verfügen und auf den öffentlichen Raum angewiesen sind Wegen der fehlenden Aussicht auf eine Post-Corona-Zeit – eine Rückkehr zum Bisherigen würde in vielen Fällen keine Besserung bieten – wird auch über den Umgang der Gemeinwesenarbeit und der Erwachsenenbildung mit Unsicherheiten, über Möglichkeiten des Treffens sowie über Kommunikation auf Distanz nachgedacht.

IGPB-Tagung 2021: Was kann man glauben?

Eine Veranstaltung der Interessengemeinschaft Politische Bildung (IGPB)

Mythen über Verschwörungen und Geheiminformationen gibt es seit Langem. Rund um die globalen Maßnahmen gegen das Coronavirus treten sie über Social Media verstärkt in den Vordergrund und führen zuweilen zu ungewöhnlichen politischen Allianzen. Die Frage, wer die Deutungshoheit besitzt oder besitzen darf, wird dabei leidenschaftlich, zum Teil aggressiv, geführt.

Wissenschaft braucht Diskussion, doch sie ist keine demokratische Bewegung, die sich nach der Mehrheit richtet, sondern nach Erforschtem, nach Fakten und konkreten Daten. Verschwörungslegenden hingegen leben davon, dass jede Falsifizierung wie eine Bestäti- gung verwendet wird, wobei Emotionen und Befindlichkeiten als Beweise missverstanden werden. Gerade Social Media sowie das Internet bieten viel Raum für jegliche Art un- oder halbwissenschaftlicher Erkenntnisse. Den Überblick zu bewahren wird daher immer komplizierter. Politische Bildung soll Menschen befähigen, Informationen beurteilen und hinterfragen zu können.

 

Migrantinnen der zweiten Generation als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung – mig2eb

2012 - 2014

Das von ESF und BMUKK geförderte Projekt "Migrantinnen der zweiten Generation als Fachkräfte in der Erwachsenenbildung – mig2eb" beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Bevölkerungsgruppe in der Erwachsenenbildung repräsentiert ist und welche strukturellen Bedingungen den Zugang zum Berufsfeld der Erwachsenenbildung erschweren respektive ermöglichen.

Angesichts des durch Migration bedingten demographischen Wandels sehen sich die Einrichtungen der Erwachsenenbildung/Weiterbildung mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Das anwendungsorientierte Forschungsprojekt hat sich in diesem Sinne zum Ziel gesetzt, zum Prozess einer "interkulturellen Öffnung" der Erwachsenenbildung/Weiterbildung beizutragen, um Chancengerechtigkeit im Zugang zu Weiterbildung – als Angebotsstruktur wie auch als Berufsfeld – zu verankern.

Im Rahmen der Forschung wird ein Kriterienkatalog zur interkulturellen Öffnung von Erwachsenenbildungseinrichtungen erstellt. Die ÖGPB als Fachorganisation für politische Erwachsenenbildung in Österreich wird im Laufe des Projektes ihr gesamtes Bildungsangebot anhand dieses Katalogs und mit Blick auf die Zielgruppe einer inhaltlichen, methodologischen und organisatorischen Überprüfung unterziehen. Eine solche Evaluation und Implementierung können – aufgrund des Charakters der ÖGPB-Bildungsangebote als Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte – einen Beitrag zu einer gesamten Öffnung dieses Bildungssegments leisten.

Projektpartner: Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb), Institut f. Erziehungs- und Bildungswissenschaft der K.F.-Universität Graz.

Gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

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